An den Oberbürgermeister der Stadt Duisburg

Herrn Sören Link,

An die Duisburger Ratsmitglieder

Nach , in meinem persönlich möglichen Rahmen, ausführlicher Beschäftigung mit den Plänen für das Projekt SechsSeenPlatte/Wedau und diversen Gesprächen mit

– verschiedenen Mitarbeitern der Stadt,

Vertretern der SPD/CDU-, sowie der Grünen – und auch Linken Fraktion im Rat

den Uferrettern

sowie einigen gut informierten und engagierten Bürgern und Fachleuten

wende ich mich mit folgenden Einwänden und Forderungen an Sie, bitte um Berücksichtigung bzw. möchte, dass dieser Bebauungsplan wie folgt geändert oder ergänzt wird:

Ich erwarte, dass der Baugrund der betreffenden Gebiete sorgfältig geprüft wird und sicher gestellt wird, dass bei eventuell auftretenden unerwarteten Problemen nicht die Stadt Duisburg, respektive die Bürger der Stadt Duisburg, finanziell in die Verantwortung genommen werden können ( Hinweis-> Projekt The Curve). Hierfür bedarf es einer vorherigen unabhängigen Prüfung des Geländes nach neustem Standard sowie eines rechtlich verbindlichen Vertrages mit der Deutschen Bahn AG bzw. falls geplant mit den Investoren.

Bitte sorgen sie dafür, dass es zu keiner Haftungsklausel für die Stadt Duisburg

kommt!

2 Für eine langfristige, moderne und klimafreundliche Stadtplanung ist es zwingend notwendig ein gutes Verkehrskonzept zu erarbeiten. Dies kann ich in dem jetzigen Konzept nicht erkennen. Es muss vorab eine konkrete und bindende Vereinbarung mit der Bahn bzw. den Trägern des öffentlichen Nahverkehrs getroffen werden, um Folgendes zu gewährleisten:

eine regelmäßige und kurze Taktung der Züge bzw. des ÖPV´S ( z.Bsp. viertelstündige Zugverbindungen)

entsprechend der neuen Anwohnerzahlen ausgerichtete Züge mit größerer Fahrgastplanung

Falls es nur, wie geplant, einen Haltepunkt für Züge geben sollte, fordere ich sie auf, diesen an einen anderen Ort zu verlegen, damit der Haltepunkt dort ist, wo auch die größte Wohnbebauung sein wird

oder

zwei Haltepunkte zu planen

oder

die Wohnbebauung dahingehend zu verändern, dass das Zentrum der Bebauung am geplanten Haltepunkt sein wird.

Es geht mir hier also um eine rechtliche Klammer, für den Haltepunkt (ggf. Haltepunkte) und entsprechender Frequenz, um eine Verknüpfung mit leistungsfähigem ÖPV zu gewährleisten, um ein Verkehrschaos oder eine Belastung der Bürger durch Verkehr zu vermeiden!

Zum Verkehrskonzept gehört für mich auch, dass das ganze Quartier verkehrsberuhigt sein muss . Daher bitte ich Sie im Plan bindend zu vermerken, dass das Quartier komplett als Tempo 30 Zone ausgewiesen wird oder alternativ an einigen Stellen Spielstraßen eingerichtet werden.

Ich fordere sie ebenfalls auf klare Zielsetzungen und deren Umsetzung zum Mobilitätskonzept zu formulieren (Zielzahlen zu Fußgänger/Fahrradfahrer/Autoverkehr) und erwarte von einer modernen und nachhaltigen Stadtplanung innovative Konzepte um Autoverkehr zu vermindern ( z.Bsp. Reduzierung von Stellplätzen für Anwohner, Unterbindung von „Durchgangsverkehr bzw. größeren Autoströmen“ durch Planung von kleineren Straßen und Unterbrechungen des Verkehrsflusses auf der geplanten Masurenallee, eventuell durch Verkehrsinseln, Kreisverkehre usw.). Wenn es denn einer größeren Straße bedarf, dann bitte ich sie um randständige Planung dieser Hauptstraße.

Die jetzige Planung der Masurenallee als große Straße durch das Wohnquartier ist Standard des 70iger Jahre Städtebaus! Ich erwarte von ihnen als Vertreter der Bürger bzw als Verwaltung die Erstellung und Planung von zeitgemäßen Lösungen!

Dazu gehört für mich auch bindende Planungen für ein E-Mobilitätskonzept! Ich bitte um Planung und Errichtung von E-Ladestellen!

In diversen Gesprächen wurde mir versichert, dass sich letztlich die Frei- und Grünflächen vergrößern werden. Nach meinem jetzigen Kenntnisstand ist in diesen Berechnungen der begrünte Lärmschutzwall mit eingerechnet. Da dieser aber keine Aufenthaltsqualität für uns Bürger bietet, beantrage ich, dass im Vergleich zur jetzigen Situation im betreffenden Gebiet genauso viel grüne, unversiegelte und den Bürgern nutzbare Fläche zur Verfügung gestellt wird wie vorher.

Des Weiteren bitte ich um Überarbeitung des Konzepts für die Uferpromenade und des Uferparks. In den mir vorliegenden Plänen wird es an der Promenade eine Holzpromenade direkt am See geben. Eine naturnahe Gestaltung mit z . Bsp. Kiesstränden würde die Aufenthaltsqualität erhöhen!

Soweit mir bekannt, wird die daran anschließende treppenförmig geplante Fläche aus Beton bestehen sowie ohne Beschattung geplant. Da wir in den kommenden Jahrzehnten mit immer mehr heißen Sommern zu rechnen haben, beantrage ich dass die stufenförmige Planung geändert wird. Es ist zwingend notwendig an Freiflächen schattenspendende Bäume zu pflanzen( insbesondere Bäume mit ausladender Krone und nicht wie zurzeit oft gepflanzt, kleine „Stadtbäume“, mit kleiner Krone). Ich bitte zu berücksichtigen, dass sich Areale wie die geplante stufenförmige Fläche bei hohen Temperaturen aufheizen werden. Das mindert die Aufenthaltsqualität einerseits, wird aber auch für die anliegenden Gebäude ein Problem sein, das es nochmal zur Temperaturerhöhung im Quartier beiträgt. Ich möchte im Zuge dieser Forderung auf die Situation auf dem Bahnhofsvorplatz hinweisen, auch dort gibt es keine Beschattung und Bodenpflaster. In diesem Sommer war tagsüber kein Passant dort zu sehen, da es viel zu heiß wurde und kein Schatten vorhanden ist. Ähnlich wird es auch am Ufer des Masurensees sein, wenn die jetzige Planung durchgeführt wird.

Ich möchte darauf hinweisen, dass eine Forderung im Baugesetzbuch eine Planung nach ökologischen Grundsätzen ist. Dies sehe ich in der jetzigen Planung nicht gewährleistet!

Es gibt in dem vorliegenden Plänen keine aussagekräftige Passage zum Schutz, der Pflege und der Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft. Ich beantrage hiermit dies zu ändern und zu den oben genannten Punkten konkrete Pläne und Aussagen verbindlich aufzunehmen!

Ein mir großes Anliegen besteht in der Planung von öffentlich gefördertem Wohnraum. Zurzeit steht nur vage eine Zahl von ca. 10% sozialem Wohnungsbau im Raum. Dies kann sich wohl nach „Belieben“ nach unten sowie nach oben verändern. Ich fordere in aller Schärfe eine massive und bindende Erhöhung des öffentlich geförderten Wohnraums im gesamten Quartier. Ich erwarte einen Mindestanteil von 20%, wünschenswert und auch bürgernah wären 30% (siehe beispielhaft Münster, dort bekommt kein Investor Baurecht, wenn er nicht 30% öffentlichen Wohnraum garantiert).

Ich beantrage den sozialen Wohnungsbau durch einen städtebaulichen Vertrag zwischen der Stadt Duisburg und dem Investor festzuschreiben.

Als Duisburger Bürgerin fordere ich sie auf, sich vorbildhaft für einen sozial gerechten Wohnungsbau einzusetzen und damit eine neue Art von Ghettoisierung zu vermeiden (einkommensstarke Bevölkerungsschichten wohnen und leben in bestimmten Quartieren zu 90% unter ihresgleichen).

Bitte setzten sie sich für eine gesunde Durchmischung von verschiedenen Bevölkerungs- und Einkommensschichten ein, in dem mehr Mietwohnungen als bisher geplant bindend festgeschrieben werden.

Falls der zurzeit interessierte Investor dem nicht zustimmt, muss die Stadt gegebenenfalls einen neuen Investor finden, der diesen Voraussetzungen zustimmt.

In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, warum die Stadt nicht das Grundstück von der Bahngesellschaft selbst kauft , dann weiter vermarktet und damit einen viel größeren Einfluss darauf hätte, wer kauft und was geplant wird.

Daher bitte ich sie zu prüfen, ob es nicht die städteplanerisch bessere Variante wäre, das zu entwickelnde Grundstück selbst zu kaufen. Vor allem, da es kein finanzielles Risiko gäbe, da das Grundstück einen Wert hat und dann weiter verkauft wird, also wieder Geld rein kommt. Bitte begründen Sie mir, warum das bisher so nicht geplant wurde!!!

In den mir bisher einsehbaren Unterlagen vermisse ich Aussagen zu Personen mit besonderem Wohnbedarf und auch zu generationengemischten bzw.,

generationenübergreifenden Wohnangeboten.

Ich fordere sie als Rat und Verwaltung auf auch diesen immer größer werdenden Bedürfnissen der Bürgerschaft nachzukommen und beispielhaft in dieses neue Wohngebiet zu planen und zu integrieren!

Bezüglich der Parkmöglichkeiten für den geplanten Einzelhandel beantrage ich die Variante Parkdeck, also auf dem Einzelhandelsgebäude Parkraum zu schaffen, zu bevorzugen, um keine kostbare Fläche für Parkplätze „zu vergeuden“. Dieser ebenerdige Raum, auf dem im jetzigen Park Kundenparkplätze geplant sind, kann meines Erachtens besser genutzt werden,

Ich fordere sie auf ein wichtiges ökologisches Thema, das der Luftschneisen im betroffenen Gebiet bis hin zu innerstädtischen Stadtteilen (Neudorf), nochmals zu prüfen.

Bitte sorgen sie für unabhängige Gutachten, die auch verschiedene Szenarien und Wetterlagen berücksichtigen, da ja eindeutig Luftleitbahnen verloren gehen werden, wenn der Plan so umgesetzt wird wie jetzt geplant!

So hat z.B. die Stadt Krefeld in einem anstehendem größerem Bauvorhaben die Universität in die Planung miteinbezogen, die genau zu diesen Themen eigene Ideen und Untersuchungen durchgeführt hat, um Luftleitbahnen zu gewährleisten.

Die vorliegenden Gutachten sind oberflächlich zu bewerten und haben keine aussagekräftige Wirkung über die tatsächliche stadt- und quartiersmäßige Auswirkung.

Sorgen Sie durch bauliche Maßnahmen für Frischluftschneisen!

Laut Aussage des Umweltamtes beinhaltet der jetzige Plan keine bzw. . wenig klimaschonende Stadtentwicklung!

Für eine moderne, zeitgemäße Stadtplanung ist es unerlässlich einen Passivhausstandard für die Wohngebäude festzulegen. Bitte ändern bzw. ergänzen sie dies im bestehenden Plan bindend.

Ein Hinweis noch zu den Werten der Kommunalpolitiker, ihrer Fürsorgepflicht den Bürgern gegenüber und ihres Vorbildcharakters : Als hier geborene Alt-Duisbugerin bin ich fassungslos, dass ein Grundstück, das vor Jahren der Graf Spee den Duisburger Bürgern zur Naherholung gewidmet hat/ überlassen/geschenkt hat, in kurzer Zeit nach Ablauf der Nutzungsbindung nicht mehr zur Naherholung zur Verfügung steht, sondern bebaut oder veräußert wird. Das war sicherlich nicht Willen des Grafen Spee und spricht eine deutliche Sprache, dass Geld vor Bürgerwohlbefinden steht.

Als letztes möchte ich Sie bitten, darauf zu achten, dass ein „wasserdichter“ städtebaulicher Vertrag zwischen der Stadt und dem Investor mit dem Ziel der Umsetzung des Bebauungsplans ausgehandelt wird.

Ich möchte mich ausdrücklich bei den städtischen Mitarbeitern für konstruktive, zeitaufwändige und informative Gespräche bedanken. Oft ist mir eine große Bereitschaft zum Gespräch und zur Klärung von Detailfragen begegnet.

Abschließend noch eine eher allgemeine Bitte an Sie als Ratsmitglieder. Bitte helfen Sie mit, dass aus dem Projekt 6- Seen-Wedau eine wirkliches Vorzeigeprojekt wird, in dem Sie innovativ und kreativ denken, planen und entscheiden. Nichts ist alternativlos und so manches kann sicher noch durch engagierte und städtebaulich modern denkende Architekten verbessert werden.

Betonplätze, Versiegelungen, einfallslose Promenaden kann jeder und haben die meisten Städte. Bitte sorgen sie dafür, dass Duisburg grün bleibt und sogar wieder grüner wird. Das ist wirklicher Fortschritt in diesen Zeiten und bedeutet für viele Duisburger Wohnqualität.

Und: Bitte entscheiden Sie nicht nach Parteibuch oder interner Absprachen, sondern beschäftigen sie sich mit dem Projekt, lassen sie Visionen eines bürgernahen und kreativen Duisburg zu und entscheiden sie zum Wohle aller Duisburger.

Mit freundlichen, besorgten und hoffnungsvollen Grüßen

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 An die Stadt Duisburg
Amt für Stadtentwicklung und Projektmanagement
Bauleitplanung
Stadthaus
Friedrich-Albert-Lange-Platz 7
47051 Duisburg

Betrifft: Bebauungsplan 1061 II – Wedau

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

der Bebauungsplan liegt jetzt zum zweiten Mal öffentlich aus und es sollen innerhalb der
kurzbemessenen Frist von drei Wochen, die überwiegend in die Sommerferien fällt, nur
Einwendungen und Anregungen zu den wenigen Änderungen gemacht werden dürfen.
Offenbar ist geplant, dass der Bebauungsplan danach dem Rat der Stadt zur
Entscheidung vorgelegt wird und die Bürgerbeteiligung danach formal abgeschlossen ist.

Ich halte die gewählte Vorgehensweise für wenig demokratisch und nicht für geeignet, ein so großes und wichtiges Bauvorhaben für die Stadt ökologisch und sozial zukunftsweisend auf den Weg zu bringen. Ich habe Einwendungen und Anregungen zum Verfahren und zu inhaltlichen Gestaltung des Bebauungsplan.

1. Die zweite Offenlage ist rechtlich zweifelhaft.

Sie fällt überwiegend in de Sommerferien. Sie dauert nur drei Wochen. Es ist unklar, wozu sich die Bürger*innen und Bürger im einzelnen äußern sollen. Begründung und
Umweltbericht wurden verändert, ohne dass die Veränderungen textlich hervorgehoben
wurden. Die marginalen Änderungen des Planes und der textlichen Festsetzungen sind
zwar farblich bzw. in Einzelzeichnungen hervorgehoben, es ist aber in den meisten Fällen nicht nachvollziehbar, aufgrund welcher Einwendungen und Anregungen, welcher
zusätzlichen Gutachten, welcher Erwägungen die Änderungen vorgenommen wurden. Die Reichweite der Einschränkung der Bürgerbeteiligung zu den Änderungen ist in Hinblick auf die fehlende Begründung unklar. Soll explizit nur zu den Detailänderungen – etwa passiver Lärmschutz durch Fenster, die nicht zu öffnen sind – oder zum gesamten, im Detail ja veränderten Lärmschutzkonzept Stellung genommen werden dürfen? Zu bemängeln ist auch, dass die Mehrzahl von Anregungen und Einwendungen der Bevölkerung aus der ersten Offenlage – und zwar die gewichtigsten – völlig unkommentiert bleiben.

Wahrscheinlich soll das bedeuten, dass die Planer diesen Einwendungen nicht folgen
wollen. Dann wäre es aber richtig gewesen, im Rahmen der Begründung bereits auf diese Beträge einzugehen und eine begründete Abwägung vorzunehmen. Wenn diese aber noch nicht erfolgt ist, dann muss man allen Bürgerinnen und Bürgern und insbesondere den damaligen Beteiligten auch die Möglichkeit einräumen, zu ihren Anregungen noch weitere Argumente vorzutragen oder diese zu erweitern und zu modifizieren. In der Bekanntgabe der Offenlage ist dies nicht klargestellt. Meines Erachtens ist es allein deshalb schon geboten, zumindest noch eine weitere Offenlage durchzuführen, was bei einem Bauvorhaben dieser Größenordnung sicher nicht unangemessen sein dürfte.

2. Eine baurechtliche Mediation…

wäre ein gutes und geeignetes Verfahren, um offen und lösungsorientiert die Bürger*innen effektiver an der Planung zu beteiligen und zu erreichen, dass die Planung und deren Umsetzung auf eine breitere Akzeptanz stößt und inhaltlich verbessert wird. Ich hoffe, dass dieser Vorschlag im Planungsverfahren aufgegriffen wird. Ich halte ihn für so wichtig und wesentlich, dass ich dazu einen Einwohner-Antrag an den Rat stellen werde. Die Mediation ist ist BauGB ausdrücklich als Möglichkeit der Bürgerbeteiligung vorgesehen. Verwaltungsrichter*innen werden Ihnen bestätigen, dass diese Form der Konfliktlösung sehr erfolgreich angewendet wird. Sie kann Klagen verhindern oder ohne streitige Entscheidung erledigen. Oftmals ist es so, dass die Gerichte den Abwägungen im Rahmen der Bauleitplanung eher folgen, wenn sie das Ergebnis einer Mediation und eines fairen Interessenausgleichs sind.

Im folgenden möchte ich kurz darstellen, was im Wege einer Mediation erreicht werden
könnte. Die Mediation setzt einen Interessenkonflikt sich zwei oder mehreren Seiten voraus. Auf der einen Seite steht hier das Interesse, die Baufläche möglichst dicht zu bebauen und damit bestmöglich wirtschaftlich zu verwerten. Ich spreche diesem Interesse nicht jegliche Berechtigung ab, weil es bei der Umsetzung des Bauvorhabens in Hinblick auf die nicht eindeutig abzuschätzenden Bodensanierungskosten finanzielle Unwägbarkeiten gibt, die über das normale Maß deutlich hinausgehen. Auf der anderen Seite stehen aber die Interessen der Bevölkerung bzw. von Teilen der Bevölkerung, von denen die allermeisten schon im Rahmen der ersten Offenlegung formuliert worden sind. Diese Interessen sind rechtlich im Rahmen der Bauleitplanung relevant und geeignet eine Klagebefugnis für die Eigentümer der betroffenen Grundstücke zu begründen (Verkehr, Lärm, Luft, FFH u.a.).

Andere Interessen können zumindest im Rahmen einer Abwägung zum tragen kommen
(Bauliche Dichte, Verträglichkeit der baulichen Nutzung mit dem angrenzenden
öffentlichen Erholungsgebiet, in sich schlüssige architektonische Gestaltung und
Auswirkungen auf das Klima). Dass die Bevölkerung im Rahmen der Bürgerbeteiligung
nicht nur Einzelinteressen geltend macht, sondern sich auch eigennützig für Gemeinwohl- Belange und eine Verbesserung der Architektur stark macht, werte ich als ein Kennzeichen einer funktionierenden Demokratie. Die Entscheidung über die bauliche Gestalt unserer Städte muss bei den Menschen leben, die in ihnen Leben. Der Rat repräsentiert sie bei dieser Entscheidung und er täte gut daran, sie vor der
Beschlussfassung im Rat so umfassend wie möglich zu beteiligen.

Die genannten Interessen erscheinen in dem Konflikt zunächst als gegensätzlich. Auf den Weg zu einer Lösung müssen sie es nicht unbedingt bleiben. Es ist sicher eine bauliche Gestaltung denkbar, die sowohl den Interessen an der wirtschaftlichen Verwertung als auch den Interessen an einer ökologischen und sozialen Stadtplanung ausreichend Rechnung trägt. Es ist hier sogar wahrscheinlich, dass man sich über Aspekte einig werden kann. Nahezu alle Beteiligten befürworten nämlich die Bebauung des alten Bahngeländes. Auch die Bebauung der städtischen Flächen wird nicht grundsätzlich abgelehnt. Es gibt also viel Spielraum für tragfähige Kompromisse, erst Recht, wenn der „Kuchen vergrößert wird“ und man in die Mediation noch andere Punkte einführt, die im Zusammenhang mit dem Bauvorhaben von Interesse sind (etwa: Verbesserung der Nutzungsmöglichkeiten und der Sauberkeit des gesamten Geländes der Seenplatte; stärkere Förderung des sozialen Wohnungsbaus, zusätzliche Mittel für die Stadtteilerneuerung in den angrenzenden Vierteln, etc.)

Die Mediation wird von einem unabhängigen und neutralen Mediator durchgeführt. Die
Regeln und das Verfahren ist bekannt und bewährt und in diversen Handbüchern und
Leitfäden nachzulesen.

Die Größe des Bauvorhabens und die mögliche Vielzahl unterschiedlicher Einzel- und
Gruppeninteressen bedeutet nicht, dass eine Mediation unzweckmäßig wäre oder nicht zu Ergebnissen führen könnte. Sicher wir man mehrere Runden brauchen. In der Regel
entwickelt sich innerhalb einer Mediation aber eine sogenannte Einigungsenergie und
Kreativität für Lösungen, die im Rahmen der starren Bürgerbeteiligung nicht zu finden ist. Die Bevölkerung hat sich auch schon so gut organisiert, dass es nicht schwer sein wird, dass sie ihre Interessen durch Vertreter*innen in die Mediation einbringt. An dieser Stelle sei ausdrücklich gesagt, dass auch die Teile der Bevölkerung, die den bisherigen Plänen grundsätzlich zustimmen, nicht von der Mediation ausgeschlossen werden sollen. Wichtig ist, dass Stadtplaner und Architekten bei der Lösungssuche einbezogen werden, allerdings nicht nur diejenigen des Projektentwicklers.

Je früher mit der Mediation begonnen wird, desto früher wird man auch fertig sein. Es ist
nicht einmal eine zeitliche Verzögerung des Bauvorhabens zu befürchten, weil vor Beginn der eigentlichen Baumaßnahmen der Boden auf dem Gütergeländer gründlich untersucht, aufbereitet und teilweise fachgerecht entsorgt werden muss, um die Bebaubarkeit des Geländes herzustellen.

3.

Die städtebauliche Begründung für die Überschreitung der Vorgaben der BauNVO
ist schwach, denn wer anderswo im Stadtgebiet Naturschutzflächen bebauen will (Angerbogen) und auf dem Gelände des B-Plan neben siebengeschossigen Gebäuden auch Einfamilienhäuser, möglicherweise freistehende, vorsieht, kann sich nicht darauf berufen, durch Verdichtung dem Flächenfrass entgegen zu treten wollen.
Hinzu kommt, dass die Grundannahme der Planer, es werde in dieser Lage so viel
Wohnraum gebraucht, sehr zweifelhaft sind.

Der Grund dafür, dass in Düsseldorf kein ausreichendes Angebot an Wohnraum für
Normal- und Gutverdiener besteht nicht darin, dass dort zu wenig bebaubare Grundstücke vorhanden sind und zu wenig gebaut wurde. Vielmehr wurden in den letzten Jahren in Düsseldorf aus Gründen der Immobilienspekulation wie in anderen Metropolen auch eine Vielzahl an Luxuswohnungen am Bedarf der Bevölkerung vorbei gebaut, die nur zu Anlagezwecken gekauft werden und wenn überhaupt nur als Zweit- oder Drittwohnung für einige Wochen im Jahr genutzt werden. Es dürfte schwer vermittelbar sein, warum Duisburg deswegen Düsseldorfer aufnehmen soll, die durch die Wohnungsnot und die Immobilienspekulation aus ihrer Stadt vertrieben werden. Auch Düsseldorfer sind natürlich in Duisburg herzlich willkommen. Es wird welche geben, die sich aufgrund sozialer Bindungen, Berufstätigkeit oder Liebe zum Revier, wo man gut und gerne leben kann, für Duisburg entscheiden. Die Rede vom „Überschwappeffekt“ ist dagegen sehr verletzend.

Sicher ist die Lage an der Sechs-Seen-Platte sehr attraktiv. Viele Menschen aus
Duisburgs anderen Stadtteilen und dem Umland werden hier wohnen wollen, aber
eigentlich nur, wenn das Erholungsgebiet in seiner Schönheit nicht angetastet wird und
man und frau als neue Bewohner*innen nicht schief angeguckt werden, weil die jetzigen
Bewohner über viele Jahre Beeinträchtigungen in der Bauphase hinnehmen mussten, für ein Projekt, mit dem sie nicht einverstanden waren und welches ihre Heimat teilweise
zerstört hat.

4.

Der Erhalt des Erholungsgebietes hat Vorrang vor anderen Nutzungsinteressen
Die Situation an der Sechs-Seen-Platte ist eine ganz andere als am Phönix-See in
Dortmund. Die Sechs-Seen-Platte ist ein über Jahrzehnte gewachsenes und zu
Erholungszwecken von der großen Teil der Bevölkerung stark angenommenes
Landschaftsschutzgebiet. Im Rahmen des Schenkungsvertrages zwischen dem Grafen
Spee und der Stadt wurde es der Duisburger Bevölkerung zu Erholungszwecken
gewidmet mit einem strikten Bauverbot. Auch wenn diese vertragliche Bindung nach 50
Jahren ausgelaufen ist, bleibt die politische und rechtliche Bindung der Stadt gegenüber
der Bevölkerung erhalten. Das schließt nicht jede Veränderung aus, bedeutet aber, dass
der Erhalt des Erholungsgebietes in der Abwägung einen hohen Rang zukommt.

5.

Planerische Widersprüche… stehen einer guten Architektur im Wege.

a) Lärmschutzkonzept

Auf dem Weg zur jetzigen Planung wurden Kompromisse geschlossen, die für das
Gesamtprojekt alles andere als gut sind.
Ursprünglich sollte das Gelände des ETUS ebenfalls bebaut werden, bis der damalige
Baudezernent bedauernd feststellen musste, dass wegen eines frisch abgeschlossenen
langfristigen Pachtvertrag eine Bebauung langfristig nicht möglich ist. Jetzt wird um das
Sportgelände herum geplant. Um die Bewohner vor Sportlärm zu schützen, werden hohe Lärmschutzwände errichtet. Mauern sind nie besonders schön und das Gegenteil einer offenen und freizügigen Architektur. Zur Überraschung der Planer befindet sich auf dem ETUS Gelände sogar eine Schießanlage – offenbar auch für großkalibrige Munition. Man fragt sich, was hat eine solche Anlage in einem Wohngebiet verloren. Wäre es nicht besser, hier auf eine Bebauung zu verzichten? Oder zumindest weiträumig Abstand zu lassen und als Lärmschutzmaßnahme keine Mauer, sondern einen hügelartigen Wall vorzusehen, der begehbar ist und durch eine Bewaldung den ursprünglichen Zustand des Geländes – es war überall Wald – wieder herstellt?
Auch in Richtung Bahn weist das Lärmschutzkonzept Schwächen auf. Passiver
Lärmschutz darf immer nur das letzte Mittel sein, weil Fenster, die nicht gebaut oder
geöffnet werden dürfen, eine starke Einschränkung der Wohnqualität bedeuten. Wäre esnicht besser, die Bahnlinie in Gänze zu übertunneln? Dies hätte auch zwei zusätzlicheVorteile. Nur so läßt sich nämlich ausschließen, dass die Anwohner von Bissingheim von zusätzlichen Lärm, der von der Ertüchtigung der Bahnlinie ausgehen wird, unzumutbar nachteilig betroffen werden. Darüber hinaus bestünde durch eine Übertunnelung der Gleisanlage die Möglichkeit, die Stadtteile Wedau und Bissingheim zusammen wachsen zu lassen, wenn über dem Tunnel eine begehbare Grünfläche angelegt wird. Für die Bewohner Bissingheims dürfte es bei einer Ertüchtigung der Bahnstrecke zu erheblichen Mehrbelastungen durch Lärm kommen, die nicht hinnehmbar sind, wenn nicht auch für diesen Stadtteil ein zusätzliches aktives Lärmschutzkonzept entwickelt wird.

b) Privatgärten und Freiraumkonzept

Mit dem Kleingartenverein hat man einen Vertrag geschlossen, wonach dieser
umgesiedelt und auf dem Gelände des B-Plan eine andere Fläche erhält. Auch das ist
nicht gerade eine in sich schlüssige Planung, weil wiederum hohe Verdichtung einerseits mit geringer Nutzungsintensität von Wohnungsbaugelände auf der anderen Seite in Widerspruch steht. Die geplanten Privatgärten werden ebenso wie die Flächen des ETUS der öffentlichen Grünfläche zugerechnet. Sowohl das ETUS-Gelände als auch die Privatgärten stehen aber der Öffentlichkeit und auch den Bewohnern der neuen Gebäude nur sehr eingeschränkt als Erholungsflächen zur Verfügung.
Hinzu kommt, dass durch die nunmehrige Umbenennung der Kleingärten in Privatgärten
die gesetzlichen Vorgaben nach dem Kleingartengesetz keine Berücksichtigung finden.

Inder Begründung fehlt jeglicher Hinweis, warum diese Änderung erfolgte und welche
weiteren Konsequenzen sich daraus ergeben. Abgesehen von wenigen Vorgaben für die Bebauung der Parzellen fehlen Vorgaben zur Gestaltung und Nutzung der Parzellen. So kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Gärten verbindlich nach ökologischen und landschaftsgärtnerischen Kriterien bewirtschaftet werden.

c) ruhender und fließender Verkehr

Solange es keine deutlich verbesserte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gibt,
wird die Fläche von Besuchern mit PKW hochfrequentiert werden. Unter diesen
Umständen ist ein Wegfall der Parkplätze am Uferbereich, der planerisch sicher gut
gedacht ist, inkonsequent, weil er zu Verkehrsproblemen in den Siedlungen führen wird.
Alternativen sind nicht ausreichend geprüft und erörtert worden. Konsequent wäre es, das Individualverkehrsaufkommen deutlich zu reduzieren, in dem das Gelände für Besucher mit dem ÖPNV besser zugänglich gemacht wird und innerhalb des Quartiers planerisch auf Carsharing zu setzen und ein zumindest Teil der Wohnungen nur für Menschen vorzusehen, die auf einen PKW weitgehend verzichten wollen.
Wenn planerisch nicht verbindlich festgeschrieben wird, dass ein Großteil der Bewohner
auf die Nutzung eines privaten PKW weitgehend verzichten muss, dann wird das
zusätzliche Verkehrsaufkommen durch rund 4000 PKW die morgens die Siedlung
verlassen und abends zurück kommen die vorhanden Straßen völlig überlasten. Eine
Erschließung nach Süden ist aber wegen der damit verbundenen weiteren Eingriffe in dasLandschaftsschutzgebiet nicht vertretbar.

6. Die Planung ist klimapolitisch nicht mehr aktuell

In den letzten Jahren ist deutlich ins Bewusstsein gekommen, dass sich auch Duisburg auf erhebliche Klimaveränderungen einstellen muss. Unter diesen Umständen ist die
Aussage in dem Gutachten, dass keine wesentlichen Veränderungen für die
Frischluftzufuhr zu erwarten sind, nicht ausreichend. Vielmehr müssen derartigen
Veränderungen mit weit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Die
vorgesehene Kompensationsmaßnahme der Dachbegrünung ist weitgehend wirkungslos. Sie ist nach den Vorgaben der Planung auch zwingend vorgeschrieben, weil sie abhängig von der Dachneigung ist und diese wiederum planerisch freigestellt ist.

Die Vielzahl der Eingriffe in die Waldgebiete Duisburgs, angefangen bei der Schaffung der Sechs-Seen-Platte selbst über die Rodungen für den Parallelkanal bis hin zu den
Baumfällungen im Straßenraum, verlangen aus klimapolitischen Erwägungen
Aufforstungsmaßnahmen, die weit über die vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen hinaus gehen, wenn man denn das Stadtklima nachhaltig günstig beeinflussen will. Sinnvoll wäre es deswegen einen Teil des Baugebietes für Aufforstungsmaßnahmen vorzusehen. Damit könnte zudem der hohen Verdichtung entgegen gewirkt werden, als auch Biotopverbund zwischen Bissingheim und der Seenplatte erreicht werden.

7. Zum Schluss…

weise ich darauf hin, dass meine Einwendungen aus meinem Schreiben vom 09.09.2018 hinsichtlich der allermeisten Punkte noch keine Berücksichtigung gefunden haben und auch noch nicht beschieden worden sind.
Bitte teilen Sie mir, den Eingang meines Schreibens mit und unterrichten Sie mich über
den weiteren Verfahrensgang.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung

Freundliche Grüße